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 Betreff des Beitrags: Der Tag des Herrn
BeitragVerfasst: Mi, 21. Okt 2009 15:12 

Registriert: Sa, 31. Dez 2005 15:48
Beiträge: 696
Wohnort: Krefeld
Der blaue Himmel wandelte sich langsam in ein mattes Grau. Am Horizont erkannte er nur noch eine Staubwolke und sein Puls begann schneller zu schlagen.

Er schickte um die Glocken läuten zu lassen. Die meisten Bewohner waren wohl schon wach um diese Zeit.

Jetzt kommt der Moment auf den er so lange gewartet hat. Er würde endlich Rache nehmen können.

Während er auf den steilen Steintreppen nach oben zum Aussichtspunkt hastete, hörte er den Herzschlag schon im Kopf. Es war ein dumpfes und immer schneller werdendes Hämmern und er spürte die Aufregung, die er vor jeder Schlacht gespürt hat. Immerhin geht es darum, zu töten oder zu sterben. Doch diese Aufregung war es auch, die ihn schließlich beflügelte und zur Höchstleistung trieb. Immer, wenn die Schlacht bevor steht, erinnert er sich an jenen Tag, als sein Vater und seine Mütter von diesem blutrünstigem Barbaren getötet wurden. Die Erinnerung an jenen Tag, da er noch ein wehrloser Junge war, und seine Eltern auf’s grausamste getötet wurden. Noch heute sieht er die Bilder vor sich, als die Gedärme seines Vaters aus der Wunde klafften und er vergebens nach Luft rang. Mutter wurde, er vermutete, dass es schmerzloser war, der Kopf abgeschlagen, als sie ihren Mann schützen wollte. Aus einem Versteck neben der Feuerstelle konnte er alles beobachten.

Seit dem Tag schwor er ewige Rache, die er jetzt – ging sein Plan auf – endlich verüben konnte. Es war so einfach, den Feind zur Stadt zu locken. Das reinste Kinderspiel. Nie hätte er sich erträumen lassen, dass er sogar den Zeitpunkt nahezu exakt bestimmen konnte. Eine List, die ihn gänzlich mit Stolz erfüllte.

Er verbannte den stolzen Gedanken aus seinem Kopf. Die Konzentration galt nun der bevorstehenden Schlacht. Während die Stadtglocken zum Einsatz läuteten kniete er sich zu einem kurzen und stillen Gebet. Er betete um Vergebung aller Menschenleben, die es heute zu opfern galt und er betete für seine Eltern!

Die schlimmste Vorstellung war, dass Gott seine Rache nicht tolerieren würde. Der Gedanke, dass seine Seele in der Hölle Qualen erleiden muss war ihm zuwider, befiel ihn beizeiten sogar mit Ekel. Doch auch vom Bischof erhielt er Vergebung der Sünden. Dann wird auch Gott mir vergeben, dachte er.

Er überprüfte seine Ausrüstung. Das schwere Kettenhemd, welches er vor kurzem erst neu hat herstellen gelassen. Es hatte schon ein paar Schlachten gesehen, doch diese wird die größte sein. Sein Schwert steckte in der Scheide, welche er an seiner Linken befestigt hat, an der Rechten hing ein Beil. Für den Notfall hat er noch einen Dolch im rechten Stiefel, welcher ihm bereits mehrfach das Leben gerettet hat.

Es war also alles an Ort und Stelle. Er blickte wieder gen Horizont und sah das unaufhörlich vorwärts reitende Heer. Angeführt vom Banner ritten barbarische Herren, welche für die gnadenlose Schlacht bekannt sind, auf die Burg zu.

Die Burg befand sich auf einem leichten Erdvorsprung. Den Befehl die Brücke abzureißen gab er letzte Nacht, als er auf seinem Kontrollgang noch einen feindlichen Spion entdeckte. Mit ihm machte er kurzen Prozess, schnitt ihm die Kehle durch und ließ ihn als Willkommensgruß an den Füßen an deinem Baum aufhängen, welcher sich in einiger Entfernung zur Burg befand.

Bald müssten sie da sein. Bald müssten sie ihren Mann sehen. Ob wohl sein Kopf schon abgefallen ist? Er überlegte noch einmal, kam aber zu dem Entschluss, dass der Schnitt die Kehle nicht so weit durchtrennte, dass der Kopf abfallen konnte. Aber als Warnung sollte er dienen. Und Angst sollte er ihnen machen.

Um die Burg war eine mehr als mannshohe Mauer gezogen, welche nicht so einfach zu erstürmen war. Zwar gab es auch außer der Brücke einige Möglichkeiten, über befestigtes Land das Terrain der Burg zu erreichen, doch zunächst würden es die Angreifer über die Brücke versuchen wollen und voller entsetzen feststellen, dass diese nicht mehr da ist. Bis sie einen anderen Weg gefunden haben, sollten einige von Ihnen bereits gefallen sein.

Die anderen Wege hat er mit Soldaten abgestellt, die über den Eingängen mit heißem Wasser warteten und die möglichen Eindringe mit diesem verbrühen sollten.

Er schaute auf und sah, dass der Moment gekommen war! Sie hielten gerade an dem Baum und sahen ihren toten Spion. Ein Reiter schnitt die Seile durch und sie ließen den Spion zu Boden fallen. Nach kurzer Zeit sprangen sie zurück auf ihre Schlachtrösser und begannen wieder, in Richtung Burg zu reiten.

Jetzt war der Moment gekommen, an dem er noch einmal durch die Reihen gehen und letzte Instruktionen geben wollte.

Er blickte in gespannte und angespannte Gesichter. Die Bögen waren bereits kampfbereit und Pfeile waren zu genüge da. Sie entschieden sich dazu, auch einige brennende Pfeile auf die Angreifer abzufeuern, damit auch die Pferde scheuten.

Sie hatten eine gute Position und waren optimal vorbereitet. Es konnte also beginnen. Die Angreifer waren zu Tausenden, vielleicht noch 500 Schritte von der Burg entfernt. Der erste nervöse Soldat feuerte bereits den ersten Pfeil ab. Es entfuhr ihm ein lauter Fluchlaut und eingeschüchtert hat sich der Soldat dann doch darauf besinnt auf das Kommando zu warten. Sobald er jetzt schreit, würde ein Regen voller Pfeile auf die Angreifer hinunterprasseln.

Im schnellen Galopp näherte sich der Angreifer. Weniger als 400 Schritte entfernt. Die ersten Ritter zogen Ihre Schwerter, welche die Sonne spiegelten. Ein weiterer Vorteil, den er gut einkalkuliert hat, als er die Verteidigung der Burg plante. Er wollte den Angreifer locken, dass er so ankommt, da die Sonne ihnen ins Gesicht schien und sie blendete. Er betete dafür, dass er Himmel wolkenlos und die Sonne grell war. Gott hat ihm diesen Gefallen erwiesen und nun, so fand er, konnte er sich auf Gottes Unterstützung in dieser Schlacht verlassen.

Das Hufgetrappel wurde lauter, keine 200 Schritte mehr von der Burg war der Angreifer. Seine Männer waren in Position. Er konnte nun schon deutlich die Züge der Barbaren sehen. Entschlossene Männer, die ebenfalls bereit waren zu töten oder getötet zu werden! Wahrscheinlich wurde ihnen bei einem Erfolg die Plünderung der Burg versprochen. Und Weiber haben sie wahrscheinlich auch schon lange nicht mehr aus der Nähe betrachtet, geschweige denn mit Ihnen Unzucht getrieben.

100 Schritte….

Nun sollte es beginnen und gleich würde er den Befehl geben, die ersten Pfeile abzufeuern.



Fortsetzung folgt....

_________________
Das Schicksal liegt nicht in der Hand des Zufalls; es liegt in deiner Hand: du sollst nicht darauf warten, du sollst es bezwingen.

William Jennings Bryan (1860-1925), amerik. Politiker


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