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 Betreff des Beitrags: Und so erzählt der Barde aus längst vergangenen Zeiten...
BeitragVerfasst: Do, 23. Dez 2004 11:56 
"Hört ihr lieben Leute, hört ihr Kinder, ihr Alten kommt alle her und hört mir zu!
Erzählen möcht ich euch, Geschichten aus lang vergessenen Zeiten!
Kommt alle her und höret mir zu..."

Und so erzählt der Barde aus längst vergangenen Zeiten...

Mit einem letzten Aufschrei starb der Raubritter.
Der Soldat blickte sich hektisch nach einem neuen Ziel um.
Er kämpfte bereits seit Tagen oder waren es schon Wochen?
Er wusste es nicht mehr, wie lange er bereits das Schwert schwang.
Sein Helm lag irgendwo gespalten auf dem Schlachtfeld
und er blutete aus mehreren kleinen Wunden in den Armen und Beinen.
Verloren irrten seine Augen um sich und er drehte sich mehrmals um seine Achse.
Langsam erreichte sein Hirn, was ihm seine Ohren bereits seit ein paar Minuten versuchten mitzuteilen.
Stille.
Nichts war zu hören, keine Schmerzenschreie mehr
und auch keine Schlachtrufe, kein splitterndes Holz oder klirrendes Eisen.
Nur ein paar Pferde schnaubten unwillig angesichts der plötzlich eingetretenen Stille.
Wie betäubt stand der Soldat da, sein Schwert sank herab,
sein zerrissenes Cape mit dem typischen Tatzenkreuz klebte blutdurchtränkt an ihm.
Zum erstmal schien es ihm, dass er die Umgebung wirklich wahrnahm.
Überall lagen Leichen, tausende Raubritter und Tempelritter...
Viele waren bereits im Begriff zu verwesen, die Schlacht dauerte bereits seit mehreren Monden,
war mal hier hin und mal da hin gewogt.
Auf Angriff folgte Gegenangriff und wieder zurück, in so schneller Folge,
das keine Seite Zeit hatte die Toten zu bestatten.
Nach ein paar Wochen fanden die Kämpfe auf den Rücken und Leibern,
der bereits Gefallenen statt.
Zwischen den ganzen Leichen lagen hier und da Kadaver von Pferden,
aufgespießt von gesplitterten Hellebarden und Spießen.
Überall lagen zerbrochene Schilde, gespaltene Helme,
zersprungene Schwerter und abgetrennte Gliedmaßen.
Trotzig stand einsam eine Fahne der Nordischen Raubritter in dem Morast.
Mit einem Hieb seines Schwertes köpfte ein Tempelritter den Schaft
und die Fahne fiel in den Morast.
Das Blut der Toten hatte die ehemalige Wiese zu einem versifften Sumpf gemacht.
Nebel breitete sich wie ein Leichentuch langsam über das Feld aus
und verschluckte wohlwollend die schlimmsten Bilder.
Es gab hunderte dieser Felder, doch dieses Schlachtfeld war trotzdem etwas Besonderes.
Es war das Letzte.
Langsam zogen sich die Tempelritter zusammen, selbst viel eher Toten gleichend.
Mit hängenden Schultern, das Schwert am Boden schleifend.
Unheimliche Geräusche erfüllten die hereinbrechende Nacht,
als von überall die Ritter sich in der Mitte sammelten.
Kaum einer der nicht verwundet war und viele würden die Nacht nicht überleben.
Leise und mit schweren Herzens begannen die Tempelritter Gräber zu schaufeln.
Keine Massengräber, nein jeder Ritter sollte mit Ehre bestattet werden,
wie er auch mit Ehre gekämpft hatte.
Auch jeder Raubritter erhielt sein eigenes Grab, hatten sie doch mit Ehre gekämpft.
Unbarmherzig, gnadenlos und wild hatten die Nordmänner gekämpft,
aber mit Ehre.
Ganze Blutlinien, manche Jahrhunderte alt waren auf diesem Feld ausgestorben.
Hier lagen Väter und Söhne neben ihren Gegnern.
Jedes Grab war gleich, kein Unterschied zwischen Templar und Räubern,
niemand sollte auf den Gedanken kommen, die Ruhe der Toten zu stören.
7 Tage und 7 Nächte dauerte die grausige Arbeit.
Dem Soldaten fiel auf, jeder Tote war mit einem eigenen Gesichtsausdruck gestorben.
Auf einigen war Angst zu lesen, andere waren von Schmerz verzerrt,
die meisten aber, waren mit einem überraschten Gesichtsausdruck gestorben.
Der Templar schüttelte den Kopf, der Glaube in die eigene Unbesiegbarkeit,
hatte so vielen bereits das Leben gekostet.
Erschöpft warf der Soldat eine letzte Hand voll Sand auf das Grab,
des von ihm erschlagenen letzten Raubritters.
Überall sanken die Ritter vor Erschöpfung um.
Viele fielen einfach neben die Gräber und blieben liegen, wie sie grad lagen.
Zu groß war die körperliche und seelische Erschöpfung.
Der Soldat raffte sich auf, er konnte die Gräber nicht mehr ertragen
und ging zu einem nahen Hügel.
Dunkel hob er sich gegen den Sternenhimmel ab.
Oben auf der Hügelkuppe angekommen, rammte der Tempelritter das Schwert tief in den Boden
und sank vor dem tödlichen Kreuz auf die Knie und fing an zu beten.
Er betete bis die Sterne erblassten und die ersten Vögel begannen zu zwitschern.
Der Tempelritter begann sich silhouettenhaft in der Morgendämmerung gegen den Himmel abzuzeichnen.
Die Konturen begannen zu verschwimmen.
Dann brach die Sonne, wie es schien, mit einem Ruck hinter dem Horizont hervor.
Der Soldat erhob sich und wie durch Flammenglut wurde sein Körper von den Sonnenstrahlen umspielt.
Ein paar Templar bemerkten ihn und machten die anderen auf ihn aufmerksam.
Er erschien wie Heiliger, wie ein Engel gesandt von Gottes Gnaden.
Sich der plötzlichen Aufmerksamkeit unbewusst, riss der Templar das Schwert aus dem Boden,
reckte es gen Himmel und rief mit lauter klarer Stimme:

„Au Beaucéan! Au Beaucéan!“,

den alten Schlachtruf der Tempelritter.
Weithin erschallte der Ruf über das Feld und vereinzelt nahmen ein paar Ritter den Ruf auf.
Immer mehr fielen in den Ruf ein. Bis es aus allen Kehlen klang:

„Au Beaucéan! Au Beaucéan! Ehre, Stärke und Ruhm dem Orden der Tempelritter!“


Freudenrufe, Jubel und auch Tränen erfasste das Heer.
Der Krieg war vorüber, die Invasoren geschlagen.
Kein Nordmann war mehr in den Templar-Reichen am Leben.
Man wusste, woanders dauerten die Kämpfe an, doch hier, hier war der Nordische Raubritterorden geschlagen worden.
Vielleicht würde es in Zukunft noch zu kleineren Scharmützeln kommen.
Doch die große Gefahr war abgewendet worden.
Die Allmacht der Raubritter gebrochen.
Nichts war mehr von der Erschöpfung zu sehen.
Gut gelaunt, singend zogen die Tempelritter von dem Friedhof.
Sie zogen heim, doch der Krieg hatte große Opfer gefordert.
Viele Städte waren inzwischen halbverfallen.
Entblößt von allen Männern, die Produktion auf Krieg ausgerichtet.
Das war nun vorbei.
Alle Kraft konnte nun in den Wiederaufbau gesteckt werden.
Gewaltige Verwaltungszentren begannen zu entstehen,
Kathedralen und Bibliotheken wurden gebaut.
Eine neue glanzvolle Ära sollte beginnen.
Die Hilfe untereinander machte es möglich, in kurzer Zeit blühten die Städte wieder auf.
Lehrmeister ritten aus um neue Rekruten für die Templar auszubilden
und gewaltige Schätze machten sich auf den Weg um jene zu unterstützen.
Eine neue Ära sollte beginnen.
Die alten Bindungen waren verloren oder sinnlos geworden.
Nun galt es neue Freunde zu finden und sich für neue Gefahren zu wappnen.
Auch Gerüchte machten die Runde, dass der König bald zurückkehren würde...
„Was würde die neue Ära wohl noch bringen?“,
fragte sich der Soldat und kniete in der gewaltigen Kathedrale vor dem Kreuz nieder und
begann zu beten...


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